40. Freiburger Literaturgespräch: Vier Lesungen mit Gespräch
Friday, 6 November 2026, 17:00
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- 18,00 EUR
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- Arts & Theatre
Anja Gmeinwieser: Wir KöniginnenModeration: Leo BoquoiDrei Bücher, drei Songs, ein Abend! Drei großartige Erstlinge, die große Fragen stellen: Was ist der Mensch, was ist ein Tier? Wer sind meine Nächsten? Welche Sprache sprechen wir?Anja Gmeinwieser eröffnet den Reigen mit ihrer Roadnovel „Wir Königinnen“ (Berlin Verlag, 2026) und einem Handy, das „mit einer übertriebenen Geste vom ersten Gipfel“ der Alpen fliegt. Auf der Flucht vor ihrem allzu normalen Leben trifft die Erzählerin Anna, die einen Schwertransport mit trächtigen Kühen in die Türkei steuert. Aus einem spontanen „Ich fahre mit“ wird eine Annäherung über international bad english und einen zuweilen halluzinierenden Handy-Übersetzer, eine Liebesaffäre zwischen Autobahnen. Aber weil es immer heißer wird im Transporter, die Tiere erkranken und Annas Chef nicht zahlt, auch ein Höllentrip – bis an die EU-Außengrenze, wo Träume und Kühe stranden. „Diese beiden Frauen sind nicht nur Romanfiguren, sie sind Solidarität, Hoffnung, Rebellion“, schreibt die Autorin Mareike Fallwickl über Gmeinwiesers Debüt, das den klassischen Western-Plot des Viehtriebs gegen den Strich bürstet und mit Fragen nach Mutterschaft, Arbeit und Identität verknüpft.Martin Piekar: Vom Fällen eines StammbaumsModeration: Sonja KaradzaAls Martin Piekar beim Bachmann-Wettlesen 2023 Auszüge aus seinem Debütroman „Vom Fällen eines Stammbaums“ (Rowohlt, 2026) vortrug, beeindruckte er mit präziser, poetischer Sprache – und einem lauten, langen Schrei: Der Schrei der Überforderung eines jungen Mannes, der vaterlos mit seiner Mutter in einer engen Zwei-Zimmer-Wohnung aufwächst und sie nach einer Krebsdiagnose bis zu ihrem Tod pflegt. Marcin heißt der junge Mann. In den 1980er Jahren floh seine Mutter mit ihm aus Polen nach Deutschland, arbeitete als Altenpflegerin, kämpfte mit der Sucht. Während Marcin zwischen Videospielen, Nu Metal und Gedichten nach seinem Platz sucht, leben die beiden in einer Nähe zwischen Fürsorge und Abgründen. Mit der Erkrankung der Mutter tritt die Familiengeschichte in ihrer ganzen Wucht zutage: Aus Erinnerungen, Anekdoten und schmerzhaften Erkenntnissen entsteht das Porträt einer deutsch-polnischen Familie, in der Krieg, Migration und soziale Ausgrenzung bis in die Gegenwart hineinwirken.Lara Rüter: AffenliebeModeration: Katharina KnüppelAm schwarzen Brett las Lara Rüter den Aushang: „Aushilfe in der Primatenforschung gesucht“. Fünf Jahre verbrachte die Lyrikerin im Affenhaus des Leipziger Zoos und verankert dort ihr Nachdenken über Nähe, Verlust, Sehnsucht und Grenzen. Ihr Essay „Affenliebe“ (Hanser, 2026) vermisst die Lücke zwischen den Menschen und ihren nächsten Verwandten, spiegelt im eigentümlichen Sozialverhalten der Tiere persönliche Erfahrungen der Autorin: eine Abtreibung, in deren Vorbereitung sie den politischen Druck davon spürt, was Frauen wollen sollen. Die Suche nach dem leiblichen Vater und die Beziehung zu ihrem „Kuckucksvater“. Entstanden ist ein hochliterarischer, durchlässiger Text, der autobiografisches und erfinderisches Erzählen kurzschließt mit Zitaten von Roland Barthes, Emily Dickinson und Martina Hefter, mit wissenschaftlichen Fragestellungen und Szenen im Gehege.Mia Oberländer: SaloonModeration: Kristine HarthauerGroßmutter lädt zum Familienfest! Die Tochter, angereist mit dem Prosecco-Express, kehrt unfreiwillig in die Enge ihres Kinderzimmers zurück. Sohn 1 hört sich gerne reden, während seine Begleitung eisern schweigt. Sohn 2 hingegen ist unfähig, für sich und andere einzustehen, ganz im Gegensatz zu seiner Frau, die immer kurz vorm Explodieren ist. Und die Enkelkinder wären lieber ganz woanders … Die Spannung steigt, Triggerpunkte werden massiert, passive Aggressionen drängen ins Offene. Was macht eigentlich die Kassiererin des lokalen Supermarkts hier?Humorvoll und treffsicher seziert die Comicbuchpreisträgerin der Berthold-Leibinger-Stiftung Mia Oberländer in ihrer furiosen Graphic Novel „Saloon“ (Edition Moderne, 2025) Rollenbilder und Machtverhältnisse: Eine Familienaufstellung als wilder Western, erzählt mit ungezähmtem Strich und vibrierenden Bildern – willkommen zum Showdown des Abends! ---Fotos: Anja Gmeinwieser © Linda Sier, Martin Piekar © Charlotte Werndt, Lara Rüter © Michael Bader, Mia Oberländer © Alexandra PolinaFörderer: Kulturamt der Stadt Freiburg, Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg, Sparkasse Freiburg-Nördlicher Breisgau, Guzzoni-Federer-Stiftung, Deutsche PfandbriefbankKooperationspartner: Theater im Marienbad, Buchhandlung jos fritzKulturpartner: SWR KulturDatum: 6.11.2026, 18:00 UhrOrt: Theater im Marienbad, Marienstraße 4Eintritt: 18/12 Euro inkl. DrinkLiteraturgesprächAußer Haus
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